Prämien einstreichen für die Wissenschaft
21.August 2008
Die Gesundheitsreform treibt schon merkwürdige Blüten, bevor sie überhaupt richtig umgesetzt ist. Die eigentliche Idee war ja gewesen, Geld zu sparen, damit die Beiträge möglichst niedrig bleiben und vor allem die Arbeitgeber und die Krankenkassen entlastet werden. Das die Versicherten, jedenfalls die der gesetzlichen Krankenkassen, voraussichtlich nicht nur mehr zahlen werden, sondern auch, und das steht bereits fest, weniger Leistungen für mehr Geld erhalten werden, stört dabei weniger. Eine dieser Maßnahmen, um später die Kosten unter Kontrolle zu bekommen, ist der so genannte Gesundheitsfonds, den viele noch verhindern wollen, was wohl aber nicht gelingen wird. Aus diesem Fonds erhalten alle gesetzlichen Krankenkassen ab nächstem Jahr zentral ihre Mittel nach einem bestimmten Schlüssel. Es gibt umso mehr, je mehr Mitglieder ein Versicherer hat, das ist ja auch nahe liegend. Es nutzt auch, wenn diese möglichst krank sind und auch bleiben, denn dann gibt es nochmal mehr Geld pro Kopf. Über diese Merkwürdigkeit haben wir uns schon ausgelassen; ob sie Sparen hilft, wagt man zu bezweifeln. Der erste Punkt, die Anzahl der Versicherten, scheint ebenfalls kein Anreiz zu sein, besser mit den Mitteln der Versicherten zu wirtschaften. Noch bevor diese Regelung gilt, führt sie ganz im Gegenteil zu deutlichen Mehrausgaben, und zwar kurioserweise zugunsten der Beitragszahler. Die erhalten jetzt von einer der größten Kassen Prämien dafür, wenn sie versprechen wenigstens bis nächstes Jahr die Kasse nicht zu wechseln. Das kann sich für die Versicherten lohnen, da es bis zu zweihundert Euro dafür gibt. Beinahe vier Millionen hat besagte Kasse dafür schon zum Fenster heraus geworfen. Das ist zweifellos noch unsinniger, als Geld in nichtinformierende Mitgliederzeitschriften oder persönliche Geburtstagsanrufe zu stecken, was gerade diese Kasse beispielhaft vormacht. Von einem vernünftigen Umgang mit Beitragsgelder kann bei einem solchen Vorgehen keinen Rede mehr sein. Um Kritik zu umgehen, wird dieses Programm auch noch als wissenschaftliche Studie verkauft. Das heutzutage solche Studien in aller Regel nicht viel mehr Wert sind, als Prognosen des Orakels von Delphi, dürfte vielen bereits aufgegangen sein. Mit so genannten Studien wird aktuell alles mögliche begründet, leider halten die allermeisten wissenschaftlicher Überprüfung keine fünf Minuten Stand. Diese Untersuchung soll, wie gesagt, für beinahe vier Millionen Euro, herausfinden helfen, warum Kunden die Kasse wechseln. Für die Hälfte hätte ich das Ergebnis mit weniger Aufwand herausgefunden, ich verrate es aber erst nach Eingang der Zahlung. ´
Artikel gespeichert unter: Allgemein
Ihr Kommentar
Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Trackback diesen Artikel | Kommentare als RSS Feed abonnieren